In der ganzen Zeit, in der ich nichts veröffentlicht habe, schrieb ich trotzdem Blogeinträge. Sie wurden immer nichts, offensichtlich. Tatsächlich gab es ein Rezept, das ich unbedingt teilen wollte (wofür jetzt die Jahreszeit leider nicht mehr passt), aber die Texte waren immer irgendwie falsch. Sie haben es zu sehr gewollt, ohne dass ich wirklich wollte, you get my drift?

Vor etwa einem Monat merkte ich dass es jetzt langsam wieder losgehen muss. Ich fing einfach an irgendwas zu backen, sodass ich davon ungezwungene Fotos machen konnte, um wieder in den Groove zu kommen. Ich war sogar einigermaßen zufrieden mit ihnen, auch wenn das Rezept flachfliel. Jetzt wusste ich aber, in welche Richtung ich mit meiner Kamera will, hatte einen Ansatz eines Konzepts.

dark chocolate lavender mousse on olive oil cake

Dazu schrieb ich dann in einem Nachmittag einen Text (das sind die Besten – die, die geschrieben werden müssen). Obwohl ich mit dem Rezept unzufrieden war, wollte ich es eigentlich trotzdem veröffentlichen, nur um endlich wieder anzufangen. Aber das stand im Widerspruch zu allem, was ich im Nachfolgenden sage. Also machen wir es dieses Mal andersherum – der Text bleibt, das Rezept wird ausgetauscht. Ein Foto des Alten wird zu Illustrationszwecken noch beigefügt. Der Rest, wie diese und vorhergehenden Zeilen, ist neu.

dark chocolate lavender mousse on olive oil cake


Kennt ihr die Barcarolle aus Hoffmanns Erzählungen von Offenbach? Nein? (Hab euch hier das Googeln abgenommen)

Ich möchte meistens meine Kind-freie Zeit mit purer Effizienz nutzen. Heute, an einem dieser Nachmittage, habe ich die erste Hälfte für unten abgebildete Szene verwendet. Ich wollte versuchen, irgendwas für den Blog herzustellen. Ohne Druck. Die Dinge sich genauso entfalten lassen wie ich bin, nicht wie ich finde wie es gemacht werden sollte – schon seit ich denken kann unter meinen größten Schwächen.

Processed with VSCO with a6 preset

Man sieht’s ganz gut im Bild: Mehl überall (auch auf meinem Fuß und meinem Bein, das sieht man nicht), Kameraakku leer und Speicherplatz gen Null, Teig viel zu dünn ausgerollt (oder auch nicht, so haben alle Äpfel drauf gepasst, hihi). Die Rolle zuerst auf dem Plastiktischtuch durchgeschnitten (ups? Nicht dass mich diese Dämlichkeit überrascht. Ich kenne mich gar nicht anders), sie dann auf ein Brett gehievt, um sie eigentlich für ein paar Minuten in den Froster zu schieben, um sie anschließend etwas ordentlicher schneiden zu können. Das Brett war nur ein bisschen zu groß. Also doch einfach so geschnitten.

Aufgeräumt, Kaffee gemacht, und zum Schreiben hingesetzt.

Barcarolle angemacht. Auf Repeat weil Flow und so.

Und meine Fresse – ist dieses Stück schön. Mir laufen bei Drankdenken schon die Tränen.

dark chocolate lavender mousse on olive oil cake

Ich kam mit dem Geschreibe also nicht wirklich weit, weil mich das Glück über die Schönheit dieses Gesangs, dieser Pizzicatowellen, der Flöten, etc. so sehr überkam.

Ich versuchte, mich dennoch zu zwingen. Es funktionierte natürlich nur eingeschränkt.

Irgendwann (auf der Toilette) dachte ich: meine Fresse (nochmal)!!

Darf ich nicht einfach mal ne Stunde diese Barcarolle hören ohne mir dabei doch wieder Druck zu machen irgendwas furchtbar wichtiges zu schreiben? Darf ich nicht einfach mal nur zuhören? Darf ich nicht mal kurz völlig in Schönheit aufgehen?

Das ist doch echte Effizienz! Meine kostbare Zeit nutzen, um sie in völliger, dankbarer Glückseligkeit ob dieser vollkommenen Schönheit zu verbringen. Ist es nicht eigentlich das, wofür ich hier bin? Bin ich nicht auf dieser Welt, um, wenn mir schon die Möglichkeit gegeben wird, in vollsten Zügen in ihrer ganzen atemberaubenden tränenüberströmenden Bezauberndheit aufzugehen? Hab ich das Wort Aufgehen schon benutzt? Egal!

dark chocolate lavender mousse on olive oil cake

Vollkommenheit is where it’s at, yo. Beziehungsweise – naja – eigentlich UN-Vollkommenheit. Aufgehen in Unvollkommenheit. Sinnfreiheit. Wissen, wirklich wissen, es gibt keinen universalen Sinn. Es gibt nur das Streben nach der Vollkommenheit, mit der ich geboren wurde. Und selbst die war unvollkommen. Ich werde also dieses Ziel, diese Vollkommenheit nie erreichen, und das ist gut so. Streben darf ich trotzdem, so lange ich mir bewusst bin dass es nicht ums Erreichen in weiter Ferne geht, sondern um das bewusste Umsetzen im jetzigen Augenblick.

Aber in solchen Momenten kann ich in der Vollkommenheit von Werken, die trotz der Unvollkommenheit ihres Schöpfers entstanden, vollkommen aufgehen. Wie mein Kuchen. Oh, ich vergaß wohl, ihn in den Ofen zu schieben.

dark chocolate lavender mousse on olive oil cake

Als ich merkte, dass dieser Text doch viel zu lang für Instagram geworden war, beschloss ich, ihn einfach zum Blogeintrag zu machen. Später, als ich das erste mal ein paar minuten Ruhe hatte während ich meinen Sohn schlafen legte, schossen mir wieder Fragen in den Kopf, aka Unsicherheit.

Ob das nicht zu spontan für einen „richtigen Eintrag“ war. Ob ich das nicht doch besser kürzen und als Instagram-Text verwenden sollte. Ob ich für den ersten Eintrag seit fünf Monaten nicht erstmal einen „richtigen“ Text-mit-Struktur-und-so verfassen sollte, vielleicht auch die lange Abwesenheit erklären, falls sich jemand dafür interessieren sollte. Ob es nicht sinnvoll wäre… bla, bla, bla.

dark chocolate lavender mousse on olive oil cake

Einen Scheiß muss ich. Wenn ich irgendwas die letzten unglaublich langen Monate gelernt habe, dann, dass ich gar nichts muss. Es gibt nur eine einzige, winzige aber schwerwiegende Ausnahme: Ich muss mit mir so durchgehend wie möglich, so vollkommen wie möglich im Reinen sein. (Da ist sie wieder, diese Vollkommenheit) Ich muss das, was jetzt ist, akzeptieren können, ohne jegliche Zweifel, es „sollte“ aber anders sein.

Wenn ich etwas mache muss es sich gut anfühlen.

Nicht angenehm.

Gut.

Nicht bequem.

Gut.

(Obwohl es das natürlich zusätzlich sein darf!)

So, dass ich mich abends hinsetzen kann und wirklich ehrlich sagen kann dass das, was ich zu meinem Tag beigetragen habe, gut war. Es hat meinem zukünftigen Ich gedient, oder zumindest meinem kurzfristigen Wohl, was wiederum meinem zukünftigen Ich zugute kommt.

dark chocolate lavender mousse on olive oil cake

Kein schlechtes Gewissen. Kein ich hätte aber gekonnt. Kein ich hätte aber gesollt. Kein ich muss morgen aber.

Nichts.

Nur: Ich bin mit mir zufrieden.

Ich kann von mir behaupten, heute mein Bestes gegeben zu haben. Ich kann sagen, ich war in den Momenten, in denen ich bewusst bei mir war, dankbar für meine bloße Existenz. Ich habe mich in anderen Momenten selbst darauf aufmerksam gemacht, dass das was ich gerade tue, sage oder denke, anders getan, gesagt oder gedacht werden kann, sodass es für alle besser ist.

Ich habe daraufhin auch tatsächlich mein Tun, Sagen oder Denken geändert. So, dass es für alle besser war.

Und jetzt kommt das wichtigste: Wenn ich weiß, ich habe heute nicht so gelebt, dass ich mit mir zufrieden sein kann – dann bin ich es trotzdem. Weil ich ein Mensch bin. (Echt??) Ich weiß, dass ich manchmal (haha – täglich und minütlich) Fehler mache (was auch immer das ist) oder weniger als „mein Bestes“ gebe. Abgesehen davon, dass „mein Bestes“ je nach Tagesform anders ist – Fehler machen gehört dazu. Habe ich aus diesen vermeintlichen Fehlern gelernt? Gut. Ich bin zufrieden. Habe ich noch nicht daraus gelernt? Gut. Ich bin trotzdem zufrieden. It’s a process! Habe ich noch gar nicht erkannt, dass ich überhaupt „Fehler“ gemacht habe? Schade, aber ok! Wenn es soweit ist, werde ich es verstehen.

dark chocolate lavender mousse on olive oil cake

Und die Wäsche, die ich heute nur in den Wäschekorb geschmissen habe, ohne sie zu falten, überlebt das wunderbar. (Außerdem landen die Windeleinlagen morgen sowieso wieder in der Schmutzwäsche…)

Alles passiert so, wie es passieren muss. Und dann, wann es passieren soll. Besonders in meinem Kopf.

Jedenfalls – Ich bin gut zu mir. Das habe ich die vergangenen fünf Monate gelernt. Ich bin meine eigene beste Freundin. Meine eigene Therapeutin. Whatever. Ich habe gelernt, dass Leben nur funktioniert wenn es mir gut geht.

Also ist das – mein Wohl – meine höchste Priorität.


dark chocolate lavender mousse on olive oil cake

Lavendel-Schokoladenmousse-Törtchen

Soll ich dazu noch irgendwas sagen?

Außer der Bemerkung dass ich offensichtlich mindestens vier mal soviel Kuchen gemacht habe wie notwendig (das Rezept unten hat die richtigen Maße), hab ich nichts außer:

Lavendel und Schokolade sind zusammen geil. Es ist gerade so viel Lavendel drin, dass er durchscheint und so eine wohliges mmmm verbreitet – manche schmecken ihn in dieser Menge gar nicht heraus. Wer also wenig empfindsame Geschmacksknospen hat und nichts gegen eine sich eventuell der Seife nähernden Lavendelnuance hat, der verdoppelt die Anzahl Knospen, oder lässt die Sahne mit ihnen zusammen vollständig herunterkühlen, was ich auf jeden Fall auch noch probieren werde.

Genug. Los.

Olivenölkuchen

via Tessa Huff
für 6 Törtchen

95 g Mehl
1/2 tl Backpulver
1/4 tl Natron
Prise Salz
Prise Vanille
1/4 tl Kardamom
60 g Olivenöl
75 g Zucker
1 Ei Kl. L
60 g Buttermilch*

Ofen auf 180°C vorheizen. Eine rechteckige Auflaufform (26×20 cm) mit Backpapier belegen. Mehl, Backpulver, Natron, Salz, Vanille und Kardamom mischen. In einer mittelgroßen Schüssel Öl und Zucker und Ei verquirlen. Mehlmischung im Wechsel mit der Buttermilch dazugeben und untermischen. Auf die Form verteilen, etwa 10 Minuten backen.
Abkühlen lassen, dann aus der Form herausnehmen, sie erneut mit Backpapier belegen und mit 6 Dessertringen** Kuchen ausstechen. Den Rest essen. Die Ringe mit dem Kuchen in die Form stellen.

*oder Milch mit einem Schuss mildem Essig.

**Ich nutze diese hier.

Lavendel-Schokoladenmousse

500 g Sahne
4 frische Lavendelknospen
200 g hochwertige Zart- oder Edelbitterschokolade
2 Blatt Gelatine
100 g Zucker
Fleur de Sel oder anders flockiges Meersalz, zum Bestreuen

400 g Sahne mit den Lavendelknospen zusammen aufkochen. 30 Minuten ziehen lassen und den Lavendel abseihen. Sahne in eine Rührschüssel geben und kalt stellen.

Wenn die Sahne kalt ist, die Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Die Schokolade in einer Metallschüssel über einem heißen Wasserbad schmelzen.

In einem kleinen Topf die restlichen 100 g Sahne mit Zucker erwärmen, bis der Zucker sich aufgelöst hat.* Die Gelatine gut ausdrücken, dazugeben und unterrühren. Die Sahnemischung zur Schokolade geben und unterrühren. In eine Plastikschüssel umfüllen damit die Mischung noch etwas abkühlt, ab und zu umrühren.

Die Sahne aufschlagen, bis sie steif, aber nicht fest ist. Zuerst ein Drittel der Sahne in die Schokoladenmischung geben und mit einem Schneebesen unterrühren, um sie aufzulockern. Dann mit einem Teigschaber den Rest der Sahne unterheben, nur bis alles gerade vermischt ist, kleine Streifen können bleiben.

Die Mousse auf die Ringe verteilen, glattstreichen und einfrieren. Am nächsten Tag die Ringe auf Teller setzen, mit einem Bunsenbrenner die Ringe anwärmen und nach oben abziehen. Im Kühlschrank auftauen lassen. Mit Fleur de Sel bestreuen. Essen.

*Es ist keine gute Idee, den Zucker in die Schokolade zu geben, ich habe damit Erfahrung™ . Es funktioniert, dauert aber sehr lange und kostet viel zu viele Nerven. (Es wird alles zunächst zu einem großen Klumpen, bis man die Geduld aufgebracht hat, Schokolade und Zucker gemeinsam erneut zu schmelzen. Nix gut.)