Was lange währt… äh. Ich habe eine Floskel-Aversion und kenne keine Sprichwörter, davon wird man hier also wenig lesen.

poppyseed cream puffs with lemon curd and whipped vanilla pudding

Oben genannte Dinger nervten mich zum Schluss völlig zu Tode, weil ihr ursprünglicher Zweck leider war: irgendwas, aber wirklich irgendwas! – was mir mit vorhandenen Zutaten zu machen einfällt – herstellen, fotografieren, und bloggen. Das ewige Geplane – wie, wann, was als erstes, und sollte ich nicht ein paar hundert Posts schon fertig haben damit ich entspannt und fröhlich diese posten kann während ich an neuen Posts zu posten arbeite?

poppyseed cream puffs with lemon curd and whipped vanilla pudding

Es stellt sich heraus, dieser Ansatz ist gar nicht mal so gut. Im Moment, und für mich jedenfalls. Die erste Idee, die ich sofort umgesetzt habe, entpuppte sich als völlig daneben. Das passiert mir echt selten, und das ist keine Angeberei, sondern soll hervorheben wie daneben es war. Damit musste ich auch erstmal damit fertig werden. Selbstzweifel ftw! Dann kam die nächste glorreiche Idee, das Ganze noch zu retten – wieder nur Mist. Der übernächste Versuch war dann… in Ordnung.

poppyseed cream puffs with lemon curd and whipped vanilla pudding

Man verstehe mich nicht falsch, es war schon lecker. Aber eben nur so: ok! Nicht so: ICH KANN NICHT MEHR ESSEN ABER ICH MUSS NOCH MEHR WEIL MEIN MUND GERADE HUNDERTMILLIONEN ORGASMEN HATTE. So muss das sein. Aber so war es nicht, und ich tue mich echt schwer, ein Rezept für irgendwas zu veröffentlichen, was nicht diese Reaktion hervorruft, weil, ganz ernsthaft, wie soll man denn sowas pitchen? „Diese Windbeutel sind sehr interessant! Sie schmecken… gut!“

poppyseed cream puffs with lemon curd and whipped vanilla pudding

poppyseed cream puffs with lemon curd and whipped vanilla pudding

poppyseed cream puffs w/ lemoncurd and whipped pudding cream

Ich hielt früher nichts vom Verkaufen, weil ich dachte, man müsste die Dinge, egal welche, grundsätzlich in den Himmel loben damit Menschen sie kaufen. Und mich hielt ich für einen ehrenvollen, unschmierigen Menschen, entsprechend passte mir diese Vorstellung nicht. Mittlerweile ist mir klar: Wer begeistert hinter seinem Produkt steht muss zwar werben, um potenzielle Käufer überhaupt erst darauf aufmerksam zu machen. Am Ende aber überzeugt das Produkt selbst. Der Verkäufer muss es nur richtig ausleuchten, aber mit Worten, u know? Ok, oder mit U-Bahn Plakaten.

poppyseed cream puffs with lemon curd and whipped vanilla pudding  poppyseed cream puffs with lemon curd and whipped vanilla pudding

poppyseed cream puffs with lemon curd and whipped vanilla pudding

So will ich das hier handhaben. Ich verkaufe euch kein Plastik mit Weichmachern und BPA! Wenn ich hier etwas veröffentliche, dann möchte ich, dass man sich darauf verlassen kann dass es umwerfend gut schmeckt. Außerdem tue ich mein menschenmöglichstes, die Rezepte so zu schreiben, dass jeder sie verstehen und genau umsetzen kann. Ich finde, das gehört dazu – was nützen auch die besten Rezepte, wenn bestimmte Details einfach nicht darin enthalten sind, die aber für das gelingen unabdingbar sind? Details, die durch Nichtbeachtung zur Aufgabe oder Nichtbefolgung des Rezepts führen können, weil FRUST. Weil die Hintergründe, oder einfacher – die GRÜNDE für bestimmte Abläufe nicht einleuchten. Ich bin überzeugt, dass die Behauptung „ich kann einfach nicht backen/kochen“ zu 99% durch schlechte oder schlecht formulierte Rezepte zustande kommt.

poppyseed cream puffs with lemon curd and whipped vanilla pudding

Zurück zum Ausgangsthema: Ich finde, eine Idee ist es wert, umgesetzt zu werden, wenn das Gefühl dazu stimmt – wenn ich auf heißen Kohlen sitze, sobald sie sich kristallisiert. Wenn ich es nicht abwarten kann, die Vorstellung endlich Realität werden zu lassen, dann bleibt mir auch gar nichts anderes mehr übrig. Ich denke auch gar nicht mehr darüber nach, ob tun oder nicht tun.

poppyseed cream puffs with lemon curd and whipped vanilla pudding

Einige solche Ideen für diesen Blog brennen mir gerade ein großes Loch in den Verstand – deshalb muss ich die hier, heute vorgestellte ein für alle mal loswerden. Das soll ihr aber nicht die Bühne stehlen! Sie doch letztendlich zu perfektionieren war es natürlich wert, gerade weil es so anstrengend war.

Und jetzt ohne weiteres Gedäh, wie meine Oma aus dem Siegerland sagt: diese kleinen Viecher SIND Frühling und Sommer. Cremigkeit, Zitronigkeit, leichter Biss durch den Mohn. Nicht zu süß, wie es mir am liebsten ist. Und sie sehen aus wie kleine Küken! Nein? Ich finde schon. (Dass sie stehenbleiben, ohne umzufallen ist natürlich auch leicht zu schaffen: einfach etwas größer machen als ich!)

Mir ist übrigens erst recht spät bewusst geworden, dass die Idee, die Brandmasse für die Windbeutel um Mohn (oder irgendwas anderes) zu erweitern, völlig neu zu sein scheint. Jedenfalls habe ich nichts in der Art beim Googlen oder bei Instagram gefunden. Ich hatte vorher nur sehr geschmacklich komplexe Füllungen ausprobiert, weil mein innerer Wissenschaftler es so von mir verlangte und ich nicht verstanden habe, dass der dazu gerade nichts zu sagen haben sollte. Mohn in der Brandmasse ist wirklich schon komplex und besonders genug und erfordert einfachste Ergänzung, um ihn leuchten zu lassen.

poppyseed cream puffs with lemon curd and whipped vanilla pudding

Mohn-Windbeutelchen mit Lemon Curd und Vanillepuddingschlagsahne

Das Lemon Curd und die Puddingsahne sollten am tag vor dem geplanten Verzehr der Windbeutel hergestellt werden, am bestens mittags, sodass beide gegen Abend eingefroren werden können. Möglich wäre es natürlich, beide morgens zu machen und die Windbeutel nachmittags, dann können diese allerdings nicht wie unten beschrieben zweifarbig gefüllt werden.

Sollte etwas übrig bleiben, halten sich Lemon Curd und und Puddingsahne luftdicht verpackt eine Woche im Kühlschrank.

Windbeutel schmecken nur am Tag der Zubereitung wirklich gut – je nach Luftfeuchtigkeit sind sie teilweise am nächsten Morgen schon zäh und ehrlich gesagt ungenießbar. Das macht aber nichts, in 95% der Fälle sind alle eine Stunde nach dem Backen aufgegessen. (Die restlichen 5% kommen durch 5 mal hintereinander machen und unpassende Füllungen bei den ersten 4 zustande)


Vanillepuddingschlagsahne

  • 200 g Sahne
  • 20 g Zucker
  • 1/8 tl gemahlene Vanille
  • 1 EL/8 g Stärke
  • 30 g Butter

Alles bis auf die Butter in einem kleinen Topf gut verrühren. Die Butter dazugeben und bei mittelhoher Hitze unter ständigem Rühren aufkochen lassen. Topf von der Platte nehmen, kurz weiter rühren. In eine Metallschüssel geben, Frischhaltefolie direkt auf die Oberfläche legen und im Kühlschrank 2-3 Stunden vollständig abkühlen lassen.

Frischhaltefolie entfernen, einen Schneebesen zur Hand nehmen und kräftig rühren. Ich nehme dafür keinen Handmixer weil Ganache im Allgemeinen, und diese Pseudo-Ganache gehört dazu, dazu neigt von einer Bewegung des Besens zur nächsten zu gerinnen. Deswegen die Metallschüssel – sie kühlt die Mischung beim Aufschlagen noch.

Die Sahnepuddingmischung wird – gerade wenn man denkt, Alter, ich nehme den Handmixer – zuerst ein wenig und dann sehr schnell sehr fest werden. Dann nur noch gut durchrühren, den Rand abkratzen, alles homogen vermischen. Bis zur Verwendung im Kühlschrank aufbewahren.


Lemon Curd

  • 60 ml frisch gepresster Zitronensaft (von einer Zitrone)
  • 1 tl Zitronenabrieb
  • 50 g Butter
  • 60 g Zucker
  • 1 Ei (Klasse M)
  • 2 Eigelbe (Klasse M)

Alle Zutaten in einem kleinen Topf auf mittlerer Hitze unter ständigem Rühren aufkochen lassen. Das dauert etwas 5 Minuten. Sofort vom Herd nehmen, kurz weiterrühren. Die Konsistenz sollte wie Pudding sein. Durch ein Sieb in eine Plastikschüssel streichen. Frischhaltefolie direkt auf die Oberfläche des Curds legen und abkühlen lassen.


Mohnwindbeutel

Für ca. 60 sehr kleine oder 20 „normal“-große Windbeutel.

  • 125 g Mehl Typ 405
  • 30 g Mohn
  • 60 g Butter in kleinen Würfeln
  • 1/2 tl Zucker
  • 1/4 tl Salz
  • 125 g Wasser
  • 2 Eier (Klasse L)

Ofen auf 200°C ohne Umluft (s. Bemerkungen unten) vorheizen. Eine ofenfeste Schale halb voll mit Wasser hineinstellen. Ein Backblech leicht einölen und Backpapier darauf legen. Mehl und Mohn in einer kleinen Schüssel mischen.

Butter, Zucker, Salz und Wasser in einem kleinen Topf, am besten mit Stiel, zum Kochen bringen. Die Mehl-Mohn-Mischung zugeben und mit einem Holzlöffel gut rühren, bis sich eine feste Masse bildet. Bei niedriger Hitze weiter rühren. Wenn der Kloß am Topfboden anfängt anzubacken, vom Herd nehmen und in eine Plastikschüssel zum Abkühlen geben.

Nach etwa 2 Minuten die Eier nacheinander zugeben und jeweils gut verrühren.  Immer erst das nächste zugeben wenn das vorherige vollständig integriert wurde.

Die Brandmasse in einen Einwegspritzbeutel füllen, Spitze abschneiden (für ganz kleine ca. 5 mm, für große 1,5 cm) und kleine Tupfer aufs Backpapier setzen, knapp 2 cm Durchmesser (für große 4-5 cm), mit mindestens 3 cm Abstand zueinander. Mit einem befeuchteten Finger die Spitzen plattdrücken, oder die Tupfer so lassen, sieht auch witzig aus!

Kleine Windbeutel ca. 15 Minuten backen, große etwa 30 Minuten, bis sie goldbraun sind. Herausnehmen, in ein großes Behältnis zum Abkühlen geben.

Erneut das Backblech mit Mohn-Brandmasse-Tupfern besprenkeln, abschieben, etc.

Bemerkung:

Nach dem Backen mit Umluft sind meine Windbeutel zusammengefallen. Ich nehme an, das liegt daran, dass die Heißluft die Oberfläche der Brandmasse zu schnell trocknet, sich im Inneren dann übermaßig viel Dampf bildet, der dann beim Rausholen schlagartig zu Wasser kondensiert sodass die Beutel in sich zusammenfallen. Beim Backen ohne Umluft lief immer alles bestens – dauert allerdings wirklich doppelt so lange.

Wer also das Risiko eingehen, aber trotzdem minimieren möchte, stellt sicher dass das Wasser in der oben erwähnten Schale im Ofen wirklich kocht wenn die Beutel hineingeschoben werden. Und die Backzeit halbieren, oder einfach vorm Ofen sitzen bleiben, bis sie gut aussehen, so mache ich das immer 🙂


Zusammensetzung

Am Abend vor der Windbeutelherstellung Lemon Curd und Puddingsahne jeweils in Einwegspritzbeutel füllen, zudrehen und einfrieren.

Am nächsten morgen die Spritzbeutel aus dem Gefrierfach nehmen. Kurz heißes Wasser darüber laufen lassen, um das Plastik von den gefrorenen Blöcken zu lösen. Die Spritzbeutel aufschneiden und abziehen. Einen neuen Spritzbeutel mit einer großen Sterntülle versehen (gut reindrücken damit sie fest drin bleibt). Die beiden Cremes hineingeben, den Spritzbeutel zuknoten, und bei Raumtemperatur liegend auftauen lassen.

Wenn die Windbeutel fertig sind, ein paar Minuten abkühlen lassen, aufschneiden und mit der zweifarbigen Creme befüllen, in den Mund stecken, repeat. (Ein paar für eventuelle Gäste stehen lassen.)

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