Ich werde das hier einigermaßen kurz halten, weil ich es nicht erwarten kann, das Rezept für diese Bomben auf euch loszulassen. Es hat mich so umgehauen wie ich lange nicht mehr umgehauen wurde. Als ich das letzte Mal so umgehauen war, habe ich eine Pastasauce aus Avocado hergestellt. Gnaaaa. Jetzt will ich mir ein Törtchen mit Avocado ausdenken. Aber eins nach dem anderen. (Nope, schon passiert.)

red velvet cherry bombs with cream cheese frosting and maraschino cherries

Habt ihr schonmal echte Maraschinokirschen gegessen? Als sich diese Idee hier in meinem Hirn breitmachte, schien die logische Konsequenz daraus, Red Velvet mit Kirschen zu kombinieren, zu sein, dass obendrauf eine Maraschinokirsche thronen sollte, wenn auch nur als Deko. Mehr American 50er Jahre Diner-Style geht kaum, oder? Finde ich geil. Aber – nie hätte ich mir träumen lassen, dass diese Deko gechmacklich wirklich etwas beisteuern könnte.

red velvet cherry bombs with cream cheese frosting and maraschino cherries

red velvet cherry bombs with cream cheese frosting and maraschino cherries

Folgendermaßen: Ich machte mich zunächst im Supermarkt auf die Suche nach einigermaßen echten Maraschinokirschen. Es gab nur Kaiserkirschen und Cocktailkirschen ohne Stiel, und auf den wollte ich nicht verzichten, also musste ich on da Interwebs gucken. Da gab es die angeblich echten für 14€ pro Glas. Ok. Also musste ich natürlich recherchieren, woher die Dinger überhaupt kommen, warum sie existieren, etc. etc. und sind es wirklich die echten echten echten?

red velvet cherry bombs with cream cheese frosting and maraschino cherries  red velvet cherry bombs with cream cheese frosting and maraschino cherries

Ganz knapp zusammengefasst: ja. Wer sich für die Abstinenzbewegung der 2oer und einen mit Marijuana unter Cocktailkirschenproduktionshallen in Verbindung stehenden Selbstmord interessiert, ziehe sich den Wikipedia-Artikel rein. Jedenfalls! Als ich den „Amazon.de Vielen Dank“-Bildschirm vor der Nase hatte, musste ich mich doch noch einmal fragen, ob das nicht völlig dämlich war, 14€ für ein paar Kirschen und zusätzlich 5€ für ein bisschen rote Lebenmittelfarbe auszugeben. (zumal diese auch keinen Stiel mehr besitzen. Roflol.)

red velvet cherry bombs with cream cheese frosting and maraschino cherries

Ein bisschen dumm. Schon. Aber was soll ich sagen, es juckte mich. Ich musste. Zufälligerweise stand aber auch gerade Valentinstag vor der Tür – gottseidank kam die Farbe erst an diesem an, sodass ich die Bomben nicht früher hätte machen können und – god forbid – unter der rotgeschwollenen Valentinsherzchenmasse untergehen lassen.

red velvet cherry bombs with cream cheese frosting and maraschino cherries

Außerdem hat sich für mich gezeigt, dass eine Idee immer erst einmal „reifen“ muss, bevor ich sie umsetze. Meistens läuft es so:

  1. Idee erscheint quasi „out of nowhere“ (mittlerweile nicht mehr – jeden Abend werden 10 Ideen zu einem Thema aufgeschrieben).
  2. Bei der innerlichen vorfreudigen Planung fallen einige Punkte zur Umsetzung auf, die die Idee beeinflussen. Idee wird plötzlich sehr komplex, weil Ideen nunmal zu noch mehr Ideen führen.
  3. Idee wird ein paar Tage im Hinterkopf geparkt, aus welchen Gründen auch immer, die eine sofortige Umsetzung verhindern. Dabei werden nach und nach alle überflüssigen Komplexitäten wegrationalisiert (aber auch neue hinzu und eventuell wieder weg), sodass nach 1-37 Wochen nur noch der gute Kern übrig bleibt.
  4. Idee wird umgesetzt. Dabei zeigt sich, dass sogar die Einfachheit in Gedanken immer noch zu kompliziert war. Via Trial and Error wird die Essenz (sorry – ich hasse das Wort auch) der Idee herausgekitzelt.

Dabei ist zu beachten:

Fällt 3. weg, wird 4. viel, viel anstrengender.

red velvet cherry bombs with cream cheese frosting and maraschino cherries

So war hier die ursprüngliche Idee: Red Velvet mit Kirsch-Curd und Cheesecake-Creme.

Ich bin etwas Curd-obsessed. Ich kam aber nach umfangreichem googeln zu dem Schluss, dass ich nicht auf die Kirschsaison warten wollte, um an meine Kirschen zu kommen. Außerdem wollte ich den typischen „Kirschenausmglas“-Geschmack irgendwie drin haben. Für (guten) Curd ist aber entweder richtig guter direkt gepresster Saft (teurer als Maraschinokirschen) oder frische Kirschen erforderlich, also war dieser Plan gestrichen.

red velvet cherry bombs with cream cheese frosting and maraschino cherries

Die Cheesecake-Creme ist erst nach 2 Versuchen rausgeflogen. Beide waren lecker! Aber die erste war zu flüssig, und als ich das Rezept meines ehemaligen Chefs konsultierte sah ich, dass er das Problem damals wohl auch hatte und deshalb mit einem Kaltbinder nachhalf, den Nicht-Gastronomen nicht zwangsläufig herumliegen haben.

Also probierte ich eine Kombination aus seinem Rezept und dem ersten, mit der doppelten Stärkemenge. Geschmacklich hervorragend, nur schmeckte man jetzt zusätzlich noch die Stärke heraus (daher vielleicht der Kaltbinder im Rezept meines Chefs…?? grübelgrübel), und obwohl diese Version schon viel weniger süß war kam es mir falsch vor, diese Creme (auch ohne Stärkegeschmack) mit süßem Kuchen und süßen Kirschen zu kombinieren. Beim Schreiben fällt mir auf dass dieses Konzept eigentlich der Inbegriff von Pâtisserie ist, aber ihr wisst schon, was ich meine, oder? Ich mag nicht einfach nur süß – ich steh auf Geschmack.

red velvet cherry bombs with cream cheese frosting and maraschino cherries

Zuletzt ging es noch darum, wie die „Bombe“ zusammengesetzt werden sollte. Zwischendurch hatte ich den wahsinnigen Plan, die Füllung in der oben irgendwo sichtbaren SIlikonhalbkugelform einzufrieren, in Schokolade zu hüllen, und so in den Cupcake zu legen, dass beim Zerbeißen der Schokolade die flüssige Kirschfüllung im Mund explodieren würde. Das klingt jetzt schon wieder sehr geil.

Aber. Aber aber. Die Füllung fror nicht richtig. Zuerst dachte ich, der Gefrierschrank sei nicht kalt genug (da geht’s schon los – wenn man einen Schockfroster braucht ist das Rezept sowieso nicht hobbyküchentauglich), aber eigentlich war klar – ich hatte das Schattenmorellenwasser soweit reduziert, dass es vermutlich mehr Zucker als Wasser enthielt und somit nicht fest wurde. Also? Hinfort mit der Schokolade, der Fokus sollte ja auf Kirschen sein, die Füllung wird gelöffelt, punkt.

So löste sich auch mein Problem, wie ich das Rezept für Menschen ohne Silikonhalbkugelformen schreiben sollte.

Und man sieht, wie immer: einfach ist einfach besser.

red velvet cherry bombs with cream cheese frosting and maraschino cherries

Jetzt aber – genug Schöpfungsgeschichte.

Diese Teile. Sie sind The Real Thing. Bitte macht es einfach. Und wer mir vertraut, gebe auch einmal im Leben 14€ für echte Maraschinokirschen aus. Ich habe es kein Stück bereut. Ich werde auch nicht dafür bezahlt, das zu schreiben, falls das nicht klar ist, da das hier mein zweiter Blogeintrag ist. Ich gebe nur sehr gerne Geld für hochwertige Zutaten aus, weil ich Bock drauf hab. Manchmal übertreibe ich damit, aber in diesem Falle – ich kann echt nicht aufhören – Himmel! war das geil.

Do it! Do it! Do it.

red velvet cherry bombs with cream cheese frosting and maraschino cherries

Red-Velvet-Kirschbomben mit Cream Cheese Frosting und Maraschinokirschen

Es ist durchaus an einem Morgen oder Mittag zu schaffen, alle Komponenten hintereinanderweg zu machen. Die Kirschfüllung lässt sich aber hervorragend weit im Voraus machen und einfrieren, dann einfach morgens rausholen und auftauen lassen. Das Cream Cheese Frosting kann man auch am Vortag machen.


Kirschfüllung

für 30 Mini-Cupcakes oder 12 normale Cupcakes

  • 1 Glas Schattenmorellen (720 ml)
  • 1 tl Stärke

Die Kirschen abgießen, das Wasser dabei in einem kleinen Topf auffangen. Aufkochen lassen und auf ca. 200 ml reduzieren – das dauert etwa 10 Minuten. 150 ml abmessen, davon ca. 3 EL mit der Stärke in einer Schale verrühren. Mit dem Rest der abgemessenen Flüssigkeit zurück in den Topf geben. Nochmal aufkochen, dabei jetzt fleißig rühren. Topf vom Herd nehmen und abkühlen lassen.

Die verbliebenen 50 ml Schattenmorellenwasserreduktion mit der Hälfte der Kirschen mischen und mit Vanilleeis essen.

Die restlichen Kirschen vierteln und mit der Sauce mischen. Bis zur Verwendung im Kühlschrank aufbewahren.


Red Velvet Cupcakes

für ca. 30 Mini-Cupcakes oder 12 Stück in Normalgröße

Ich habe das Rezept von der großartigen Tessa Huff halbiert und ansonsten nur den Zucker drastisch reduziert. Da diese kleine Menge schon etwas schwieriger zu machen ist habe ich die original-Mengenangaben in Klammern dazugeschrieben. Die Proportionen Cupcake zu Füllung zu Frosting ändern sich dann etwas, was ich persönlich aber nicht schlimm finde. So hat man mehr vom ultrasoften Red Velvet – ggf. einfach für die Füllung alle Kirschen nehmen und das Cream Cheese Frosting verdoppeln.

Um die nachfolgenden echt nervigen Teelöffel-Brüche abzumessen empfehle ich dringend genormte Messlöffel. Kosten nicht viel.

Zuletzt: Alle nicht-trockenen Zutaten sollten Raumtemperatur haben. Es reicht, wenn man sie eine halbe Stunde vor dem Backen rauslegt, also z.B. bevor man die Kirschfüllung herstellt. Ich werde irgendwann sicherlich auf einer gesonderten Seite darauf eingehen warum genau das wichtig ist. Natürlich führt es nicht dazu, dass die Cupcakes steinhart werden, wenn die Eier gerade aus dem Kühlschrank kommen. Die Butter sollte aber zumindest etwas weich sein, damit sie aufgeschlagen werden kann (allerdings auch nicht flüssig! Die Temperatur sollte zwischen 16 und 18°C liegen).

  • 160 g Mehl Typ 405 [320 g]
  • 3/4 tl Natron [1,5 tl]
  • 1/4 tl Backpulver [1/2 tl]
  • 1/4 tl Meersalz [1/2 tl]
  • 1/16 tl gemahlene Vanille [1/8 tl]
  • 45 g Butter [90 g]
  • 100 g Zucker [200 g]
  • 30 ml neutrales Öl [60 ml]
  • 1 Ei (Kl. L) [2 Eier, bruh]
  • 1 EL Kakaopulver [2 EL…]
  • ca. 1 EL rote Gel-Lebensmittelfarbe (optional) [2 EL, wie gehabt]
  • 90 ml Milch [180 ml. Ich weiß, du kannst das auch selbst. Ich muss aber konsequent sein.]
  • 1 EL verdünnte Essigessenz (Ich habe einfach 1 tl Essigessenz mit 4 tl Wasser vermischt, davon die 2 EL abgenommen und den Rest weggekippt weil mir bei der Rechnerei das Hirn geplatzt wäre) [2 EL, übrigens]

Ofen auf 180°C vorheizen. Eine Muffinform mit Papierförmchen bestücken.

Mehl, Natron, Backpulver, Salz und Vanille in einer kleinen Schüssel vermischen. Milch und Essig in einem kleinen Messbecher verrühren.

Butter mit Zucker in einer mittelgroßen Schüssel 2-3 Minuten in der Küchenmaschine oder mit dem Handmixer cremig aufschlagen (schwierig mit der kleineren Menge. Einfach ein bisschen länger rühren, als man denkt). Das Öl dazugeben und verrühren, dann das Ei bzw. die Eier nacheinander. Kakaopulver und rote Lebensmittelfarbe dazugeben. Die Masse wird erstmal eher bräunlich aussehen, dann ruhig mehr Farbe nehmen bis sie richtig rot ist.

Die Hälfte der Mehlmischung hinzufügen und kurz unterrühren, sodass es gerade so vermengt ist. Ein paar unvermischte Stellen hier und da sind absolut ok. Die Buttermilch mit dem Essig dazugeben und untermischen, dann die restliche Mehlmischung. Sobald eine homogene Masse entstanden ist, aufhören zu rühren, sonst gehen die Cupcakes nicht vollständig auf.

Masse ca. 3/4 hoch in die Förmchen füllen, für kleine Cupcakes knappe 2 tl, für große (schätze ich) 2 EL.

Kleine Cupcakes ca. 8-10 Minuten backen, große 18-20 Minuten. Stäbchenprobe machen. Auf einem Gitter abkühlen lassen, währenddessen das Cream Cheese Frosting machen.


Cream Cheese Frosting

von der genialen Stella Parks

Hier sollten die Sahne und der Frischkäse direkt aus dem Kühlschrank kommen, besser noch ist es wenn man eine Metallschüssel darin vorgekühlt hat.

  • 50 g Zucker
  • 140 g Schlagsahne
  • 1/16 tl gemahlene Vanille
  • 1/8 tl Meersalz (wer Jodsalz nimmt – nur eine Prise)
  • 225 g Philadelphia

Alle Zutaten bis auf den Philadelphia in einer Metallschüssel auf niedrigster Stufe 2-3 Minuten verrühren, bis der Zucker sich beinahe aufgelöst hat. Dann auf höchster Stufe schlagen, bis die Sahne cremig wie Joghurt aber noch nicht fest ist, auch ungefähr 2 Minuten.

Den Frischkäse in 3 Portionen zugeben, jedes Mal auf mittlerer Stufe kurz unterrühren. Die Konsistenz wird am Ende eher klumpig sein. Mit einem Teigschaber gut den Rand der Schüssel abkratzen. Dann auf höchster Stufe aufschlagen, bis die Creme leicht und very very fluffy ist.

Sofort verwenden (nicht alles mit dem Finger essen) oder im Kühlschrank bis zu 3 Tage aufbewahren.


Zusammensetzung

  • Maraschino- oder Cocktailkirschen als Deko

Cream Cheese Frosting in einen Einwegspritzbeutel mit 1,5 cm Lochtülle füllen. Mit einem kleinen Messer oder Löffel eine Kuhle in die Oberfläche der Cupcakes schneiden, 2-3 cm Durchmesser. Die Kirschfüllung hineingeben – ein halber bis ein Teelöffel – und Frosting obendrauf spritzen. Eine Maraschinokirsche auf die Spitze des Frostings legen. Sofort essen. Bitte.

Kommentar verfassen