Weil ich eine wahrhaftige Liste von Gedanken zu diesem Törtchen habe, here goes:

1. Ich gebe es endlich zu, ich bin ein Hipster. Gesund und/oder absurd? Bedeutet für mich automatisch: geil. Benutzt man das Wort überhaupt noch? Also Hipster, meine ich (und bin mir jetzt unsicher ob ich schon so muddimäßig bin dass ich verpasst habe, dass man ‚geil‘ nicht mehr sagt). Das Ding ist nur, wenn ich jetzt Hipster bin, was war ich als ich 12 war und Avocados und veganer Käse noch nicht ‚in‘ waren? Hm??? Damals gab es nur Hopper, und zu denen gehörte ich keinesfalls. Übrigens musste eine Freundin vor ein paar Jahren festellen, dass es wohl auch Kreuzungsexemplare der beiden Gattungen gibt – die Hop(p)ster.

Chocolate Carrot Cake with Turmeric Butterscotch Buttercream, Salted Caramel and Oat Crumble

2. Ich weiß nicht, ob ich auf die Idee gekommen wäre, Kurkuma in Buttercreme zu stecken, hätte ich nicht gerade ein Kurkuma-Chai Drink auf Haferbasis probieren ‚müssen‘ wegen o.g. Affinität für Absurdes (wobei diese Kombi eigentlich fast naheliegend ist). Also. Ja? Weil es gelb ist, und ich irgendwas gelb-orangenes in der Torte haben wollte, und Karottenbuttercreme selbst mir zu heftig war. (d.h. wird bald ausprobiert)

Chocolate Carrot Cake with Turmeric Butterscotch Buttercream, Salted Caramel and Oat Crumble

3. Eigentlich sollte das eine Torte zum Thema Ostern werden, und weil ich mal wieder alles, was mir dazu einfiel, in ein überfülltes Gesamtpaket stopfen wollte, dachte ich, gerade dieses Ding würde eine qualvolle Serie von einem merkwürdigen Kuchen zum nächsten, bis ich es aufgeben würde und mein gesamtes Leben in Frage stellen weil ich es gewagt habe, Karotten mit Schokolade zu kombinieren. Wenn ich mir allerdings klar mache, dass die Kombination Schokolade-Zucchini schon lange etabliert ist, wirkt das alles weniger wild, beinahe zahm. Der erste Versuch war jedenfalls perfekt. Danach musste ich es ’nur‘ noch zwei Mal wiederholen weil sowohl mein Timing als auch meine Kinderbetreuung recht unzuverlässig waren.

Chocolate Carrot Cake with Turmeric Butterscotch Buttercream, Salted Caramel and Oat Crumble

4. Es sind hier also folgende Ostern-thematisierende Komponenten enthalten: Carrot Cake, Hasen aka Schokolade aka Kakao, Eier (-likör), (Ei-) Gelb, ähm, ok so viel ist das ja gar nicht. Ist Karamell österlich? Hafer? Nein?

Chocolate Carrot Cake with Turmeric Butterscotch Buttercream, Salted Caramel and Oat Crumble

5. Ich wollte ach so schlaue österliche Deko in Form von Karottenhippen machen. Ein (1) Rezept dazu fand ich sogar im Netz, das auch ganz gut klang, aber es erforderte gleichmäßiges, dünnes Streifenschälen von Karotten und filigranes Wickeln jener um Stäbe, und das auch noch sofort (sofort) nach dem exakt 30-minütigen Trocknen im Ofen. Sorry. Ist einfach nicht meins. Hatte auch keine Lust das 10 Mal zu wiederholen bis die Hippen einigermaßen ok aussehen würden. Also dachte ich: karamellisierte Scheibchen!! Gedacht, getan. Sah echt hübsch aus! Und schmeckte echt widerlich! Jetzt müsst ihr, werte Leser, das nicht mehr ausprobieren.

Chocolate Carrot Cake with Turmeric Butterscotch Buttercream, Salted Caramel and Oat Crumble

6. Die letzten zwei Wochen habe ich mir – etwas gezwungenermaßen – den Druck aus diesem Vorhaben hier herausgenommen und dabei über einiges nachgedacht, a) weil ich keine Zeit hatte, weil meine Kinderbetreuung keine Zeit hatte, und ich nach 3 Tagen alleine mit meinem Kobold schon beginne durchzudrehen weil ich nicht der Mensch dafür bin, den ganzen Tag nur mit Kind zu verbringen bzw. wer kann das überhaupt? Und b) weil ich merkte, dass mir die Freude flöten ging. Das ist ja noch wichtiger als Zeit. Das hier ist mein Traum Nr. 1. Spaß ist unabdingbar dabei. Wenn ich also mehr Zeit brauche nehme ich sie mir, ohne Rücksicht auf Verluste.

Chocolate Carrot Cake with Turmeric Butterscotch Buttercream, Salted Caramel and Oat Crumble

7. OMG ich dachte ich kann keine Torten hübsch aussehen lassen. Die hier sind es aber. Dafuuuuq. War gar nicht so schwer.

8. Ich sitze im Wald, und der ist schön, und wird jetzt wieder immer schöner, und ich hab etwas richtig richtig geiles für nächste Woche vor.

Chocolate Carrot Cake with Turmeric Butterscotch Buttercream, Salted Caramel and Oat Crumble

9. Hab ich schon gesagt dass diese Tortenkombination eine der besten ist, die ich jemals probiert habe? Der Kuchen ist so so so so saftig und locker und smooooooth. Und doch so leicht. Man könnte das ganze Blech so essen. Schwöre. Die Karotten schmeckt man nicht raus, aber sie MACHEN die Konsistenz. Ich habe ein bisschen der traditionellen Carrot-Cake-Würze drin gelassen (Zimt), und Espresso und Ingwer hinzugefügt um alles mit dem Kakao besser zu verbinden. Beim letzten Mal war mir der Ingwer etwas zu dominant (1 tl war das), so ging es schon in die Lebkuchen-Richtung, also sollte der doch eher minimal vorhanden sein.

Die Buttercreme ist nahezu genial. Ich habe die Butterscotch-Buttercreme aus Sticky Chewy Messy Gooey von Jill O’Connor genommen und einfach Kurkuma addiert, mit dem essentiellen Zusatzschritt, ihn vorher anzurösten, damit das Aroma sich ordnungsgemäß entfaltet, wie beim Curry. Sie ist bombastisch. Der Weinbrand ist wichtig. Bourbon ist auch gut, Rum oder Whisky tun es aber, denke ich, auch. Die ganzen (d.h. ungetrennten) Eier als Basis machen für mich voll Sinn (sonst nimmt man entweder Dotter für französische oder Klar für schweizer Buttercreme) weil sowohl die Leichtigkeit des Eiweiß als auch die ‚umami‘-ge Cremigkeit des Gelbs enthalten sind. Die Mischung wird zwar so nicht besonders volumig-fluffig bevor die Butter hinzukommt, das macht aber überhaupt gar nichts, weil die Volumigkeit von Baisermasse oder aufgeschlagenem Eigelb sowieso immer flöten geht wenn Butter dazukommt.

Chocolate Carrot Cake with Turmeric Butterscotch Buttercream, Salted Caramel and Oat Crumble

10. Eins noch. Wer macht eigentlich noch Karamell ohne Salz? Mir fällt wirklich kein ernstzunehmender Grund dafür ein, und die übrigen sind a) um Salz zu sparen (der heutzutage hierzulande lächerlichste Grund, irgendwas zu tun oder nicht zu tun) und b) darauf kam nicht ich, sondern besagte Freundin, die den Hopster benannte – um nicht zuviel Salz zu essen weil es ungesund ist und man das reichhaltige, vor Vitaminen strotzende Karamell so pur wie möglich genießen möchte (was??).

11. EINS NOCH. Ich bin sowohl begeistert als auch naserümpfend unzufrieden mit diesen Fotos. Auf jeden Fall weiß ich jetzt warum es sonst so wenig Food-Fotos auf weißem Hintergund gibt. Es ist so knallig. Ich love-hate es. Demnächst etwas anderes. Ich weiß, ‚consistency is key‘, aber ich will voran machen und mich nicht mit Dingen, die nicht funktionieren aufhalten um einen gleichmäßigen Instagram-Feed zu gewährleisten. Over and out, it’s Rezepte-Time!!


Schokoladen-Carrot Cake, Kurkuma-Butterscotch Buttercreme, Salzkaramell und Hafercrumble

Die Rezepte sind in der Reihenfolge der Herstellung angegeben. Crumble hält sich luftdicht verschlossen und trocken aufbewahrt theoretisch eine Weile, aber nur wenn es gut versteckt ist. Salzkaramell kann bis zu 2 Wochen im Kühlschrank verbringen. Buttercreme und Kuchen lassen sich gut ein paar Monate einfrieren, wenn es sein muss. Wenn man eine Küchenmaschine hat, finde ich, ist der Aufwand aber nicht so hoch, dass man sie nicht frisch machen könnte. Der Kuchen ist am Tag nach der Herstellung am besten.


Salzkaramell

via Layered von Tessa Huff

  • 150 g Zucker
  • 50 g Glukosesirup
  • 20 g Wasser
  • 120 g Sahne (zimmerwarm)
  • 60 g Butter
  • 3/4 tl Meersalz
  • 1/8 tl gemahlene Vanille

Zucker in einen mittelgroßen Topf geben. Mit einem nassen Finger das Glukosesirup hinzufügen (löst sich eigentlich nur so, mit Löffel nur schwer) und das Wasser darübergießen. Mischung aufkochen, dabei nicht rühren, höchstens leicht schwenken. Am Topfrand festklebende Zuckerkristalle lassen sich mit einem nassen Pinsel lösen.

Karamell kochen bis die gewünschte Farbe – ein dunkles Bernstein – erreicht ist. Von der Platte nehmen, vorsichtig Sahne angießen und mit einem Schneebesen gut verrühren. Auf die ausgeschaltete Platte zurückstellen (bei Gasherden auf kleinste Flamme), rühren bis eventuell am Topfrand festgewordenes Karamell sich aufgelöst hat. Dann die Butter einrühren und Salz und Vanille hinzufügen. Probieren und ggf. etwas nachsalzen.


Hafercrumble

ebenfalls via Layered

  • 85 g Haferflocken (Großblatt)
  • 50 g Walnüsse, gehackt
  • 2 EL Salzkaramell

Haferflocken und Walnüsse in einer Pfanne ohne Fett 5-8 Minuten mittel- bis dunkelbraun anrösten. Salzkaramell dazugeben, gut durchmischen sodass alles überzogen ist. Auf Backpapier ausgebreitet abkühlen lassen.


Schokoladen Carrot Cake

Reicht für ein Herdbackblech, vier 18-cm Springformen oder zwei 26-cm Springformen. Die Backzeit bleibt ungefähr die gleiche. In jedem Fall eine Stäbchenprobe machen.

  • 280 g Mehl
  • 2 tl Backpulver
  • 2 tl Natron
  • 1/2 tl Salz
  • 1/8 tl gemahlene Vanille
  • 1 tl Zimt
  • 1/4 tl Ingwerpulver
  • 5 EL Kakao
  • 2 tl lösliches Espressopulver
  • 180 ml Sonnenblumen- oder Rapsöl
  • 250 g Zucker
  • 4 Eier Kl. L
  • 230 g Buttermilch oder 225 g Vollmilch + 5 g Essig
  • 300 g fein geraspelte Karotten

Ofen auf 180°C vorheizen. Ein Backblech (oder Springformen) mit Backpapier belegen.

Mehl, Backpulver, Natron, Salz, Vanille, Zimt, Ingwer, Kakao und Espresso mischen. Öl mit Zucker verrühren, Eier nacheinander zugeben und jeweils gut einrühren. Karotten mit einem Teigschaber untermischen, die Hälfte der Mehlmischung untermischen, dann die Buttermilch, und die restliche Mehlmischung, bis alles gerade so vermengt ist. Den Rand der Schüssel gut abkratzen und nochmal kurz (!) rühren.

Masse auf dem Backblech verteilen und 18 Minuten backen, bis der Kuchen duftet. Stäbchenprobe machen! Herausnehmen und aus 20-30 cm Höhe auf den Boden fallen lassen. Gerne zwei Mal, wenn es Spaß macht. Auf einem Gitter vollständig abkühlen lassen.


Kurkuma-Butterscotch Buttercreme

via Sticky Chewy Messy Gooey von Jill O’Connor

  • 375 g Butter
  • 2 EL Kurkuma
  • 3 Eier (Kl. L)
  • 100 g Zucker
  • 80 g Zuckerrübensirup
  • 1/4 tl Salz
  • 1/8 tl gemahlene Vanille
  • 2 EL Weinbrand

Butter aus dem Kühlschrank nehmen, die Blöcke in Scheiben schneiden und beiseite stellen.

Kurkuma in eine Pfanne geben und anrösten. Es genügt, die Pfanne auf höchster Stufe kurz heiß werden zu lassen, und wenn der Kurkumaduft anfängt, intensiv in die Nase zu steigen, die Platte ausmachen und die Pfanne darauf stehen lassen.
Einen kleinen Topf mit etwa 3 cm Wasser füllen, Wasser zum Kochen bringen. Auf mittlere Hitze herunterschalten.

Eier, Zucker, Sirup, Vanille und Salz im Kessel einer Küchenmaschine oder in einer großen Metallschüssel verrühren (um den Sirup ohne große Verluste in die Schüssel zu befördern: Löffel gut einölen oder Sirup aus einem Spender nehmen). Die Schüssel auf den Topf stellen und sicherstellen, dass das Wasser die Schüssel nicht berührt. Die Ei-Zuckermischung unter Rühren auf 80°C erhitzen. Sofort vom Topf nehmen und die Mischung mit der Küchenmaschine oder dem Handmixer auf höchster Stufe aufschlagen, bis die Schüssel von außen kalt ist.

Nun die Butter scheibchenweise bei laufender Küchenmaschine zugeben.
Nach etwa der Hälfte passiert es häufig, dass die Mischung geronnen aussieht. Das ist normal und liegt daran, dass die Butter kühler war als die Eimischung. Einfach weiterschlagen bis die Masse cremig und homogen wird, das dauert etwa 2-5 Minuten. Dann die Maschine ausschalten damit die Buttercreme nicht wieder gerinnt, weil sie nun zu warm geworden ist. Den Rand der Schüssel abkratzen, Kurkuma und Weinbrand hinzufügen und gut untermischen.

Zur Verwendung am selben Tag abgedeckt bei Raumtemperatur aufbewahren, sonst im Kühlschrank lagern oder einfrieren. Fest gewordene Buttercreme muss neu aufgeschlagen werden. Dafür sollte sie wieder auf Raumtemperatur gebracht werden. Die schnelle Methode dafür (für Spontane): etwa ein Viertel der Creme in der Mikrowelle oder vorsichtig im Topf schmelzen und bei laufender Küchenmaschine oder mit dem Handmixer langsam in die feste Masse einrühren, bis sie wieder samtig weich ist.


Zusammensetzung

Für kleine Törtchen: Böden mit Ausstechringen in der gewünschten Größe ausstechen. Nicht ganz am Rand beginnen, weil der Kuchen dort ziemlich sicher etwas dünner wird, das würde schiefe kleine Böden geben.

Für große Torten: vollständig ausgekühlte Böden begradigen. Einen Boden mit etwas Buttercreme auf einem Brett oder einer Tortendrehscheibe fixieren. Buttercreme großzügig darauf verteilen, ruhig leicht über den Rand hinaus. Den nächsten Boden darauf setzen und so weiter verfahren, bis es genug Böden sind! Dabei aber den letzten Boden verkehrt herum aufsetzen, damit die Oberfläche wirklich gerade ist. Obendrauf noch etwas Buttercreme verteilen, dann den Rand zuerst mit einer (Mini-)Palette gut einstreichen und dann mit einem Tortenglätter oder, Achtung Pro Tip! Geodreieck glatt ziehen. Törtchen oder Torte mindestens eine halbe Stunde kühlstellen, damit die Buttercreme fest wird.

Salzkaramell in einen Einwegspritzbeutel füllen und je nach Ausgangskonsistenz ggf. kurz in die Mikrowelle stecken. Ich mag dunklen Karamell, daher war meiner nach einem Tag im Kühlschrank recht fest. Ca. 3 mm der Spitze abschneiden.

Am Rand der Törtchen oder Torte das Karamell aufspritzen, sodass es in halbwegs regelmäßigen Abständen heruntertropft. Langsam vorgehen und zunächst beobachten, wie das Karamell sich verhält bevor man mehr dazugibt. Wenn der „Look“ zufriedenstellend ist, die Oberfläche mit dem Karamell bedecken und glatt streichen. Ein paar Minuten warten, bis das Karamell fester wird, dann Hafercrumble darauf verteilen.

Törtchen im Kühlschrank aufbewahren und vor dem Essen etwa eine Stunde auf Raumtemperatur kommen lassen.

HAPPY TORTE!

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