Eine Einleitung.
Foodblog, Kunst, Profikochen und deine Mudda

Hallo, ich bin Esther. Ich betreibe einen Foodblog seit ich 16 bin—in meinem Kopf zumindest. Aber Spaß beiseite, ich habe wirklich vor 10 Jahren meinen ersten Blog gestartet, der sich auch eine kleine Weile hielt.

Dann zog ich nach Berlin um Kunst zu studieren. Dort wurde mir alles zu wild; das Bloggen war, wenn überhaupt, nur noch ab und zu und nur mit wenigen Worten vorhanden.

Einige anfang-zwanziger-Sinnkrisen-Jahre später stand ich plötzlich in der Frühstücksküche des Hotel Adlon und stellte mich vor. Hallo, ich bin Esther, ich bin Azubi ab heute in der Küche. Die jungen Köche guckten! Ich hatte meine Schürze nämlich ziemlich weit oben gebunden, so direkt unter den Titten, das sah echt merkwürdig aus.

Nur anderthalb Jahre später arbeitete ich auf dem Saucier- (Fleisch, Fisch und Saucen) Posten im Restaurant Quarré und mir war ganz komisch. Hatte ich den Monat zuvor gerade einen Fehlalarm gehabt, dieses mal war es real: my eggo was preggo. So verbrachte ich meine ersten 4,5 Schwangerschaftsmonate am rande vieler Panikattacken in der Küche, größtenteils der Patisserie. Ich durfte dann in die Marketingabteilung wechseln, wo ich meine Liebe zum Grafikdesign doch nochmal wiederentdeckte.

Es folgte ein anstrengendes, aber stetig schöner werdendes erstes Jahr Muddisein. Mit gleich wieder Arbeiten gehen war nicht viel, das höchste der Gefühle war das Bestehen der praktischen IHK-Abschlussprüfung. Nicht mein glorreichster Moment – aber am Ende der Geschichte bin ich jetzt Köchin! Profi! Krass, oder?

Naja, so wie ich manchmal in hirnlosen Momenten koche ist das wirklich krass. Ich habe (leider oder gottseidank?) nicht das Zeug zur Sterneköchin, meine Fähigkeiten liegen nicht in der schnellen Perfektion, eher in der gemächlichen, gefühligen Improvisationsküche und ironischerweise, da meine Geschmacksknospen noch nie ein großer Fan von Zucker waren, der Pâtisserie.

Und why dafuq jetzt noch son Foodblog?

Weil ich mir vom Universum habe sagen lassen, dass ich das theoretische Fachwissen vom monatelangem Instagram-Torten-Geglotze des Wochenbettes und danach irgendwie noch anwenden können soll, nämlich in Form eines ganz neuen Foodblogs. Diese Seite vereint nämlich ALLES: ich darf kochen und backen, für mich, für andere, für das perfekte Rezept. Ich darf Kunst in Form von Fotos machen, die keinen Anspruch erhebt, „Kunst“ zu sein. Ich darf schreiben. Ich darf alles tun was ich gerne tue, alle Dinge die sich in meinem Leben ständig abwechseln weil ich mich nicht für eine Ausdrucksform entscheiden kann, weil jeder ohne die anderen irgendwie etwas fehlt.

Also, ich brauche das halt. Basta, Pasta. Viel Pasta.

Fairy Food. Wieso dieso?

Eine spannende Geschichte! Naja, so sehr nun auch wieder nicht, es wird keiner ermordet, und gekidnapped auch nicht. Es kommt nicht mal ein Ritter in goldener Rüstung vor. Sorry.

Fairy Food war anders geplant, ähnlich meinem richtigen Baby in dieser Hinsicht. Zuerst war es „nur“ ein fiktives Cateringunternehmen für Seniorenheime. Dann ein Schokoladenlieferservice. Und Chips, Torte, Pudding, Eistee, der eine oder andere Fruchtjoghurt, oder was man sonst noch braucht, aber nicht imstande ist zu besorgen wenn man so high auf der Couch liegt, oder in meinem Fall damals – ach, damals – auf dem Teppich. Ich halte das übrigens immer noch für eine lukrative Start-Up-Idee, falls sich jemand daran versuchen möchte.

Dieser Blog, und der Name dazu, sind eigentlich nur eine natürliche Konsequenz aus allem, was bisher in meinem Leben geschehen ist. Ich kann es gar nicht besser beschreiben –  es sollte einfach sein.

Der Name entstand fast zeitgleich mit meinem Kind, meinem Kobold. Das Kleeblatt ist eine Hommage an seinen Vater, dem ich mehr zu verdanken habe als meine tippenden Finger gerade auszudrücken imstande sind.

Das Konzept Foodblog fasziniert mich schon seit es existiert, und insgeheim wollte ich auch immer irgendwie so etwas machen, habe es aber nicht einmal mir selbst gegenüber gestehen können.

Das Kunststudium, auch in seiner Unvollständigkeit, hat einen wichtigen Beitrag geleistet. Es hat weniger mein ästhetisches Empfinden als mein Kunstverständnis geschult – und mir gezeigt, dass ich mich nicht als Künstlerin und auch nicht das, was ich produziere, als Kunst bezeichnen möchte.

Zuletzt – ich bin Köchin, die nicht in Restaurantküchen kochen möchte. Ich habe immensen Respekt vor Köchen. Professionelles, gutes Kochen erfordert teilweise unmenschliche Mengen an Ausdauer, Geduld, Spontaneität und Multitasking, dazu kommt noch der wirklich nicht zu unterschätzende physische Aspekt. Kochen ist echt Schwerstarbeit, und ich kann es – so jedenfalls – nicht auf Dauer.

Vor meiner Ausbildung habe ich manchmal beim Joggen den Punkt der absoluten Erschöpfung angestrebt und nie erreicht. Ein Quäntchen wäre immer noch drin gewesen. In der Ausbildung wurde diese Grenze in bestimmten Abteilungen beinahe täglich überschritten. Absolute Erschöpfung! – physisch, mental, seelisch. Man gewöhnt sich natürlich dran, und irgendwann fühlen sich 10 Stunden Arbeit kurz an, und nur eine Veranstaltung am Tag ausrichten wie Urlaub.

So sehr es aber auch Spaß gemacht hat, selbst zu erfahren wozu der Mensch imstande ist, brauche ich persönlich eine visuelle und schriftliche Verarbeitungsmöglichkeit meiner Ideen. Ich tüftele gerne alleine zuhause, so wie ich damals angefangen habe, vor dem ersten Blog. Das Tüfteln ist mir eigentlich am wichtigsten – in der Profiküche konnte ich das nicht – zu viel Hitze und Hektik. Zuhause habe ich mein eigenes Tempo, mit Kobold sowieso, und hier hat alles einen Platz.